FAUSTL

FAUSTL von Thomas Bremser Update: 28. April 2019

FAUSTL  Musiktheater – Hörbuch – Bilderbuch
Idee und Buch Thomas Bremser
Alle Rechte bei Thomas Bremser  © STERNENSTAUBMUSIK 2017
Grafische Umsetzung der Hauptfigur FAUSTL von Ulrike Martens
Alle Rechte der grafischen Umsetzung liegen bei Ulrike Martens

Text: Heinrich Heine (1797-1856),
Thomas Bremser (*1958),
Robert Burton (1577–1640), u.a.

Musik: N.N. u. Thomas Bremser

Handlungsfaden FAUSTL
Die ODYMORPH, ein Raumschiff, begegnet der Raumsonde Voyager.
Unser Held FAUSTL taucht in die Erdumlaufbahn ein. Im freien Fall stürzt
er auf die Erde.

Er hat ein Damen-Spitzen-Taschentuch und ein Stück beschriebenes
Pergament in einer Dose mitgebracht, die irgendwann von der Erde
verschwand. Vermutlich wurde sie unwissentlich auf die Voyager 1
geschmuggelt. Er sucht die Person mit den Initialen C und M.

FAUSTL hat einen Wissenssauger, der ihn in kürzester Zeit in die
Lage versetzt Wissen zu generieren. Er ist eine Art Assoziation-Akrobat
und Verknüpfungs-Fetischist. Kein Problem  lässt er aus. Keine
Lösung dauert ihm zu lange. Kein irdisches Buch, keine Prämisse,
Formel oder Axiom, dass er nicht schon aufgesogen hat.

Im Laufe der Handlung wird langsam klar, wen er sucht.
Es handelt sich um die römische Sängerin Caterina Martinelli,
die im Hause Monteverdis,  Anfang des 17. Jahrhunderts Gesangsunterricht erhielt.

Da FAUSTL auf seinem Sturzflug zur Erde dem Breitgürtelasteroiden 4040_Purcell begegnet und über Odysseus, Eurydike, Penelope und Orpheus stolpert, ist es nicht verwunderlich, dass er ausgerechnet hart Backbord im Bugwasser der Queen Mary II landet; dort sich als Musiker und Sänger ausgibt und ein Solokonzert im Theater an Bord der Queen Mary II gibt.

Auch Henry Purcell wird als schizoides Halluzzi auftauchen und Verwirrung stiften. In seinem Konzert schlüpft er in verschiedene Personen und hat am Ende das ganze Schiff unter seiner Kontrolle. Fragen über Fragen: Wird er Caterina Martinelli an Bord der Queen Mary II finden? Wird er Caterina das Taschentuch zurückgeben können?

Ist Caterina seine verstorbene Frau Eurydike?
Wenn nicht, wo ist Eurydike?
Ist FAUSTL Orpheus?
Wie wird FAUSTL zurückkehren?
Bleibt er auf der Erde?

Das Publikum am Abend, wäre dann auch sein Publikum auf der Queen Mary II.FAUSTL interagiert mit Musik und Texten inmitten des abendlichen Publikums.
Ort der Handlung ist das Weltall und die Erde – der Ozean.

1. Raumschiff ODYMORPH und VOYAGER I (Kollision)

2. Kreuzfahrtschiff QUEEN MARY II (Rettungsboot, Bar)

3. Raumschiff ODYMORPH erweitert

Der Anfang

Ouvertüre (Musik)

Lied des FAUSTL
Heinrich Heine (aus „Lyrisches Intermezzo“ 1822-1823)

LIX

Es fällt ein Stern herunter
Aus seiner funkelnden Höh
Das ist der Stern der Liebe,
Den ich dort fallen seh.

Es fallen vom Apfelbaume
der Blüten und Blätter viel!
Es kommen die neckenden Lüfte
Und treiben damit ihr Spiel.

Es singt der Schwan im Weiher,
Und rudert auf und ab,
Und immer leiser singend,
Taucht er ins Flutengrab.

Es ist so still und dunkel!
Verweht ist Blatt und Blüt,
Der Stern ist knisternd zerstoben,
Verklungen das Schwanenlied.

(1) Ein grölender, lauter Schmerz übermannte FAUSTL als er mit seinem
kleinen Raumzeitgleiter ODYMORPH in die Erdatmosphäre einstach. Wie
der Löffel in einen warmen, beinahe schnittfesten Grießpudding, quetschte
 er sich in eine Welt voll warmen, menschlichen Schluckens und Saugens.

Ungebeten und im nach hinein als Versehen verbucht, sauste FAUSTL also
im Meer der Assoziationen durch Zeit und Raum – oder Raum und Zeit?
Wen kümmert es schon? Hmmm!

Er hatte vor etwa acht Takten durch ein, nennen wir es Medikament, sein
Bewusstsein verloren. Er hasste diese kurzen Trips von Milchstraße zu
Milchstraße. Lieber Leser, wenn wir davon ausgehen, dass ein Takt etwa
die Zeit vermisst, die wir als Menschen von der Erde zum Saturn brauchen,
löst sich die Länge seiner Reise aus dem Verschwommenen.

Klar, sein ODYMORPH wurde noch sehr altmodisch mit überflüssigem,
aus dem oft unterschätzten Unterbewusstsein, per hypnotischer
Verdampfung, also dem Seelenabrieb, angetrieben. Dieser besagte
Seelenabrieb, der schmerzhaft gewonnen werden musste, veranlasste
FAUSTL zum sorgsamen, feinfühligen Umgang mit seinen Energievorräten.
Selbstwahrnehmung war gefragt! Eine beliebte Tugend auf dem Planeten
von dem er kam. Hmmm!

Das Schiff, die ODYMORPH, hatte die Form einer Kugel, die sich
pulsierend fortwährend zusammenzog und sich selbst andauernd verformte.
Lediglich eine dünne Zellmembran schützte FAUSTL innerhalb seines
ODYMORPHs vor der pumpenden, rastlosen Materie.

Vier Takte zuvor hätte es beinahe eine Kollision mit dem Hauptgürtelasteroiden4040_Purcell gegeben. Hierbei verhinderte die flexible Haut seines Reisegefährts einen größeren Schaden. Es war kein dummer Zufall, kein schicksalhafter kleiner Scherz des großen Schöpfers, nennen wir ihn A, der diese vermeintlich bedrohliche Begegnung 4040_Purcell ausgelöst hatte. A hatte bewusst 4040_Purcell auf FAUSTL angesetzt. Aber dazu später mehr.

(2) Jaja, der Seelenabrieb…; Hmmm. Funktionierte dieser bisher lautlos,
ohne kognitive Fähigkeiten, brachte er im achten Takt alles, von FAUSTL
noch unbemerkt, durcheinander. Hatte sich da plötzlich etwas verändert,
seit der Begegnung mit diesem fliegenden Objekt, dass FAUSTL mutig mit
seinem Raum-und Zeit-Sauger an eine seiner zahllosen Membranen saugte.

Es hatte sich etwas verändert. Ja! Wo vorher der Seelenabrieb nur als
Treibstoff diente, wurde durch das Erkunden des Objektes eine himmlische
Luke aufgetan, die sich ab sofort nicht mehr schließen ließ. Und dies genau
ein Takt vor dem Eintauchen in die Erdatmosphäre – während des achten
Taktes. FAUSTL bemerkte im achten Takt ein Organ, was er bisher nur mit sichherumtrug. Ein paar beidseitig am Kopf angebrachte Membranen mit
fleischigen, ja fast wulstigen Ausstülpungen. Bisher hatte sein
Unterbewusstsein nur in einem Knalltrauma-Rauschen, die Erschaffung
von A in sich aufgenommen. Ein Geräusch, ein Rauschen, eine lästige
Sache, die keine Resonanz in seinen Zellen und Membranen hervorrief.
Doch da war jetzt diese schillernde, fremdartige, kleine Platte, die er aus
dem fliegenden Objekt geborgen hatte und in seinem ODYMORPH-Replikator
ablichtete, und nun somit ihrer Bestimmung als irgendwie geordneter
Schallverstärker dienen konnte.

Was hernach in seine am Kopf angebrachten Membranen strömte und den
ganzen Körper schier überflutete, waren Wellen des Schalls. Klänge von
nie gehörter Vollkommenheit breiteten sich über seine Synapsen aus. Aber
immer nur dann, wenn er vorher eine Art Gas, dass leidlich aus dem Objekt
strömte, in sich aufsaugte. Ein Wunder? Eine Offenbarung? Ein unverdientes
Geschenk des A, oder war das schon B? Hmmm!

Mit seinem RAPIDTRANSLATOR übersetze er sich die Zeichen auf der
mysteriösen Platte, und er fand schnell heraus, um was es sich bei diesen
Klängen handelte. Es gab wohl zwei Worte, die er schwach entziffern konnte:
Bach und Mozart. Nach vielen archäologischen Bemühen und nach ungefähr
einem halben Takt, hatte er auch die zugehörigen Zeichen übersetzt.
„Goldberg-Variationen“ und die sogenannte „Königin der Nacht“.

Durch einen Übersetzungsfehler, einen Zeilensprung vielleicht, eine digitale
oder analoge Unordentlichkeit, ordnete der RAPIDTRANSLATOR die
Schallquellen falsch zu. Und so entstand eine nicht unerhebliche Verfälschung
seiner Auswertungen. Lauschen, saugen, hineinströmen lassen – FAUSTL
war entrückt und verzückt. Hmmm!

(3) Vor wie vielen Takten beschloss FAUSTL seine vertraute Umgebung
zu verlassen? Ein banges Sehnen hielt ihn in seiner Welt gefangen. Er ahnte,
dass etwas nicht stimmte. – Regelrecht verstimmt war darüber, dass sich fast
unmerklich der Seelenabrieb verflüchtigte. Takt für Takt. Auf einem
Spitzentaschentuch, dass FAUSTL aus einer silbernen Box zog waren
die Initialen C und M zu lesen. Wie kam FAUSTL an solch einen Gegenstand?
Aber es bleibt die Frage, wie  FAUSTL an dieses Pergament und an dieses
Taschentuch kommen konnte. Fragen über Fragen! Hmmm!

(4) Eine der wichtigsten Fragen war aber, wie die Erdenbewohner
auf seine Ankunft reagieren würden. Gut, er sah menschlich aus,
etwas blass um die Nase und steckte in einem Raumanzug, der
schon die eine oder andere Zeitreise hinter sich hatte. Durch seinen
RAPIDTRANSLATOR würde er sich auch verständlich in jeder
beliebigen Sprache ausdrücken können. Mittlerweile hatte er die
ODYMORPH stark abgebremst, in dem FAUSTL eine Art
Schubumkehrgas in die Erdatmosphäre strömen ließ. Er tuckerte nun gemächlich bei guter Sicht etwa 0,000036 Takte über dem Mittelmeer. (…) April 2019

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